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Spiegel_Online

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
   

Text zur Ausstellung
Topographien der Durchfahrt II
Jarmuschek + Partner Jan./Feb. 2012

Ein Laster am Waldrand, eine Straße ins Nichts, die Überreste einer Tankstelle, ein Lieferwagen auf einem leeren Parkplatz – die Fotografien von Elmar Haardt (geb. 1974) zeigen Landschaften, die in ihrem Darstellungsmodus zwischen ästhetischer Schönheit und unbehaglicher Leere changieren. Die Ansichten von Parkplätzen, Supermärkten, Siedlungsbauten, Straßen und Häusern – aufgenommen größtenteils in den USA, aber auch in Italien und Deutschland – stehen in einem latenten Spannungsverhältnis: Sie präsentieren erhaben anmutende Panoramen, deren gefühlte Weite jedoch durch die Kargheit der Landschaften und ihrer örtlichen Unbestimmtheit unterwandert wird. Die Fotografien unspektakulärer, geradezu ergreifend banaler Umgebungen provozieren eine unerwartete Begegnung mit der Ortlosigkeit durchplanter Infrastrukturen.

Die Ausstellung „Topografien der Durchfahrt II“ ist die zweite Einzelausstellung von Elmar Haardt in der Galerie Jarmuschek + Partner und zeigt neben einer Auswahl aus den Serien „Bondeno“ (Italien, 2009/2010) und „Manchmal kann man die Berge sehen“ (München, 2010/2011) erstmalig Haardts neueste Arbeiten, die 2011 in den nördlichen Bundesstaaten der USA (Pennsylvania, North und South Dakota, Montana, Washington sowie Nevada) entstanden sind.

Die Landschaften, die der Künstler im analogen Großformat festhält, sind vom Menschen angelegt und geprägt – und doch fehlt es dem abgebildeten Raum an Bewohntheit. Innerhalb der Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen der Wirklichkeit und ihrer fotografischen Repräsentation fragt Haardt nach den an Landschaft und urbanem Raum ablesbaren gesellschaftlichen Verhältnissen. Das Landschaftsbild dient hier nicht vorrangig der dokumentarischen Aufzeichnung, sondern wird vielmehr zu einem übergeordneten, atmosphärisch verdichteten Sinnbild einer wahrgenommenen Gesamtsituation. Für seine Aufnahmen reist der Künstler an verschiedenste Orte und durchfährt die unterschiedlichsten Landschaften. Die einzelnen Umgebungen mögen eigene lokale Charakteristika beinhalten, die motivübergreifende Leere und die daraus evozierte Ortlosigkeit – die Ambivalenz zwischen Schönheit und Unbehaglichkeit – sind jedoch das verbindende Element und zentrale Thema der Arbeiten.

Ulrike Westphal

 

Text on the Exhibition
Topographies of Transit II
Jarmuschek + Partner Jan./Feb. 2012

A lorry on the edge of the forest, a street leading to nowhere, the remains of a petrol station, a delivery van in an empty car park – the photography of Elmar Haardt (born in 1974) shows scenes which change between aesthetic beauty and uneasy emptiness. The sight of car parks, supermarkets, residential buildings, streets and houses - taken largely in the USA but also in Italy and Germany - are in a latent ratio with each other: they present sublime panoramas whose filled expanse is infiltrated by the bareness of the scene and its local vagueness. The photographs of unspectacular, nothing other than touching ordinary areas unexpectedly meet the placelessness of planned infrastructure.

The exhibition “Topography of a journey II” is the second solo exhibition by Elmar Harrdt in the Jarmuschek + Partner Gallery and shows Haardt’s newest works taken in 2011 in the northern states of the USA (Pennsylvania, North and South Dakota, Montana, Wa-shington and Nevada) alongside a selection from the series “Bondeno” (Italy 2009/2010) and “Sometimes you can see the Mountains” (Munich 2010/2011).

The scenes, taken in analogous large format have been created and marked by people - and are nevertheless missing the residents. Within the struggle with the relationship between reality and its photographic representation, Haardt asks about the legible societal relationship in the scenic and urban area. The scene does not just have a documental purpose, but becomes an atmospheric, condensed and higher symbol of the situation perceived. The artist journeys to the most different locations and through the most diverse countryside for his images. The individual areas may have local charm, however, the general emptiness and the resulting placelessness - the ambivalence between beauty and uncomfortableness - are, the binding elements and central themes of his work.

Ulrike Westphal

 

IM ORTLOSEN STILLSTAND
Über die Fotografien von Elmar Haardt

Straßen, Siedlungen, Hochhäuser, aufgereihte Garagenplätze, schlichte Reihenhäuser und einzelne Zweckbauten – die Fotografien von Elmar Haardt (geb. 1974) zeigen offenbar alltägliche Normalität. Die Serie Manchmal kann man die Berge sehen (2010/11) ist in München, größtenteils im Stadtteil Giesing, aber auch in anderen Stadt- und Stadtrandgebieten entstanden. Die Motive wurden weder systematisch gesucht noch unterliegen sie bestimmten städtebaulichen Erfassungskriterien. Statt bekannter Örtlichkeiten oder touristischer Attraktionen zeigen die Fotografien – bei gleichbleibend zeitlosem Himmel und fast ausnahmsloser Absenz menschlicher Figuren – urbane Situationen, die von standardisierten Architekturen geprägt sind. Die Ansichten erscheinen einerseits vertraut, andererseits wirken sie befremdlich. Die Stadt ist hier kaum wiederzuerkennen.

Elmar Haardts Fotografien unspektakulärer, geradezu ergreifend banaler Straßenzüge und Häuser provozieren eine unerwartete Begegnung mit jener urbanen Umgebung, die im Alltag von der bewussten Wahrnehmung oftmals ausgeblendet wird. Die Gleichzeitigkeit von Enge und Weite sorgt dabei für ein latentes, aber stetiges Spannungsverhältnis: der Mangel an Platz und Freiräumen zwischen den Häuserwänden ist förmlich spürbar, zugleich bleibt der Blick in die Ferne möglich.

Elmar Haardt setzt sich innerhalb dieser Serie nicht nur mit den Beziehungen zwischen der Wirklichkeit und deren fotografischer Repräsentation auseinander, seine Stadtbilder sind gleichzeitig präzise beobachtete Daseins- und Zustandsbeschreibungen. Denn die fotografischen Wirklichkeitsausschnitte sind – nicht nur bedingt durch die technische Voraussetzung ihrer Aufzeichnung – als Teil eines größeren Komplexes zu verstehen. Der urbane Raum ist ein sozial geprägter, definierter Raum, d.h. immer ein Produkt der Gesellschaft. Wenn Haardt einzelne urbane Sequenzen festhält, die vorrangig architektonische Umgebungen beschreiben, stellt er vor allem Fragen nach den an Architektur ablesbaren gesellschaftlichen Verhältnissen. Er formuliert hier keine direkte Architekturkritik, sondern fragt vielmehr nach dem, was Architektur als visuell geprägte Form einer Lebenswelt zu repräsentieren vermag. Seine Fotografien filtern die Eigentümlichkeit städtischer Lebenswelten heraus und legen jene öffentlichen Organisationsprinzipien offen, die zur Beschaffenheit des jeweiligen Ortes beigetragen haben. Bei diesem Herausarbeiten einer urbanen Grammatik mittels des fotografischen Bildes ist der Fotograf selbst mehr distanzierter Beobachter denn Deuter. Die Bewertung der abgebildeten Situation liegt beim Betrachter, was jedoch eine kritische Dimension der Arbeit nicht ausschließt. Statt eines erhobenen Fingerzeigs auf mögliche Missstände oder Auswüchse konservativ geplanten Wohnens offenbaren die Fotografien vielmehr einen verwunderten Blick auf das gesellschaftliche Arrangement mit der Durchschnittlichkeit, die in der Unwirtlichkeit rein funktionaler Architektur ihren Widerhall findet.

Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung steht also der Stillstand: der konzentrierte Blick auf das sichtbare, jedoch oftmals ausgeblendete Resultat festgesetzter Strukturen. Auch Elmar Haardts vorangegangene Serien (aufgenommen in der italienischen Po-Ebene, in der Schweizer Region des Gotthard-Straßentunnels und im nördlichen Stadtgebiet von Essen im Ruhrgebiet) zeigen Orte mit eigenen lokalen Charakteristika, denen im Bild jedoch ein gewisses Gefühl der Ortlosigkeit anhaftet. Gerade in den gezeigten, motivisch eher unspektakulären Situationen und deren alltäglicher Selbstverständlichkeit offenbart sich das Ungewöhnliche, wenn nicht gar Groteske menschlicher Lebensumgebungen.

Ulrike Westphal

 

 

IN PLACELESS STANDSTILL
On Elmar Haardt's photography

Streets, housing developments, high rises, a line of garages, plain row houses, and solitary functional buildings – the photographs of German photographer Elmar Haardt (born in 1974) seem to depict commonplace normalcy. His 2010/2011 series Manchmal kann man die Berge sehen (Sometimes you can see the mountains) was photographed in Munich, predominantly in the Giesing neighborhood and other city districts and suburbs. The motifs are neither based on systematic searching nor are they subject to specific criteria of urban planning acquisition. Rather than well-known places or tourist sites, these photographs present—against a timeless sky and with an almost invariable absence of human figures—urban situations marked by standardized architecture. These views seem familiar and are strange at the same time. The city is hardly recognizable.

Elmar Haardt's pictures of unspectacular, almost movingly banal streets and buildings provoke an unexpected encounter with the sort of urban environment that is often blinded out in everyday’s conscious perception. The concurrence of narrowness and vastness creates a latent, but constant tension: the lack of room and space between the walls is literally tangible, and yet the view into the distance remains possible.

Examining the relation between reality and photographic representation, Elmar Haardt's city scapes are also closely observed descriptions of the existence and state of urban situations. The details of reality are—not only due to the technicality of photographic recording—to be read as part of a larger complex. The urban space is a socially informed, defined space, i.e. it is always a product of society. Capturing urban sequences that primarily depict architectural environments, Haardt asks questions about the social conditions mirrored in architecture. Rather than directly criticizing architecture, he inquires into the representational nature of architecture as the visual form of specific living conditions. His photographs filter the idiosyncracies of urban life and expose the public organizing principles that contribute to the state of a given place. Working out an urban grammar by means of the photographic image, Haardt is more of a detached observer than an interpreter. The assessment of the situation depicted is left to the viewer, the work's critical dimension notwithstanding. Instead of wagging a finger to possible deficits or excesses of old-line home planning the photographs reveal an amazed gaze at a social arrangement with the mediocrity echoed in the inhospitality of purely functional architecture.

Hence, standstill is at the center of Haardt's artistic examination: the concentrated look at the visible but often ignored result of set structures. Haardt's previous series (photographed in the Po Plain in Italy, in the St. Gotthard Tunnel area in Switzerland, and in the northern section of the city of Essen in the German Ruhr area) show places with local idiosyncracies, in the pictures, however, they exude a certain feel of placelessness. It is precisely the unspectacular situations presented and their usual taken-for-grantedness that reveal the unusual, if not grotesque nature of human living conditions.

Ulrike Westphal

 

 

BONDENO (2009/2010)
Über die fotografischen Arbeiten von Elmar Haardt

Ausgangspunkt der fotografischen Arbeiten von Elmar Haardt (geb. 1974) ist die reale Landschaft,
die der Künstler an verschiedenen Orten als nüchterne Realitäten aufspürt und in atmosphärisch verdichtete Bildkompositionen umsetzt. Haardts bisherige fotografische Serien entstanden im Märkisch Oderland an der deutsch-polnischen Grenze, in den Essener Stadtteilen Katernberg und Stoppenberg sowie in der Schweizer Gotthardtregion, einem Durchfahrtsgebiet am großen Autobahntunnel zwischen den Kantonen Uri und Tessin.

Auch für BONDENO hat Elmar Haardt eine Region gewählt, die landschaftlich wenig spektakulär oder attraktiv erscheint. Bondeno, ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Ferrara, liegt in der Po-Ebene Norditaliens – einem Gebiet, das von dem großen Fluss und seinen Nebenkanälen sowie von einem für Italien untypischen, nicht mediterranen Klima geprägt ist. Von Italienreisenden wird die Region oft nur im Transit wahrgenommen, denn sie ist im Vergleich zu anderen italienischen Provinzen eher von geringer touristischer Bedeutung.

Haardts Fotografien zeigen Wohnhäuser, Straßen, Ortsränder, Industriegebiete und vereinzelt das Flussufer hinter künstlich angelegten Deichen. Die Bilder basieren auf der vorgefundenen Realität – das künstlerische Interesse liegt jedoch trotz des dokumentarischen Ansatzes nicht in der visuellen Bestandsaufnahme eines spezifischen Ortes und dessen lokaler Gegebenheiten.

Entscheidendes Moment ist vor diesem Hintergrund die formale Ausrichtung der Aufnahmen, wie der stets mittig gesetzte Horizont, der die Ansichten analog dem klassischen Landschaftsbild in zwei Bildhälften teilt. Die erhöhte Perspektive und der Einsatz des Weitwinkelobjektivs fördern zudem die Distanz zum Bildmotiv und ermöglichen dadurch eine Wahrnehmung der individuellen Strukturen des Realen. Einzelne Elemente der konkreten Lebenswelt werden mittels Anordnung und Ausschnitt zueinander in Beziehung gesetzt. Im Bild sind sie nicht nur als Abbildung realer Objekte zu lesen, sondern im Zusammenspiel von Landschaft, Fläche und Architektur ebenso als strukturelle Phänomene, die über den dokumentierten Ist-Zustand hinausweisen.

Durch den Blick des Fotografen wird die Wirklichkeit selbst zu einer ästhetischen Erscheinung, die ein gewisses Gefühl der Ortlosigkeit in sich birgt. Die subtil komponierten, teils verhalten melancholischen Bilder zeigen motivisch belanglose Situationen ohne erzählerische Handlung, die gerade in ihrer alltäglichen Selbstverständlichkeit das Ungewöhnliche, wenn nicht gar Groteske menschlicher Lebensumgebungen freilegen. Im Spannungsfeld von fotografischer Abbildung und bildnerischer Interpretation des Vorgefundenen versuchen Elmar Haardts Bildkompositionen, Essentielles über die Wirklichkeit herauszufinden.

Ulrike Westphal

 

 

 

BONDENO (2009/2010)
The photographic work of Elmar Haardt

Starting point of Elmar Haardt’s photographic work is the real landscape. In various places, Haardt (*1974) tracks it down as sober realities and translates it into evocative pictural compositions. Previous series originated in the Maerkisch Oderland area along the German-Polish border, the Katernberg and Stoppenberg neighborhoods of the city of Essen, Germany, and in the Swiss Gotthard region, a transit area at the motorway tunnel between the Cantons of Uri and Ticino.

For his BONDENO series, Elmar Haardt chose again a region that seems little spectacular or attractive. Bondeno is a small town near Ferrara in the Po River Plain of Northern Italy – an area marked by the big stream and its lateral channels and a non-Mediterranean climate atypical for Italy. Travellers tend to experience the area only in transit since it has little tourist significance compared to other Italian provinces.

Haardt’s photographs show homes, streets, the edges of towns, industrial areas and occasionally the river bank behind artificial dikes. His pictures are based on the reality found—but despite the documentary approach, Haardt's artistic interest is not in the visual assessment of a specific place and its local conditions.

Rather, the essential element is the formal alignment of the pictures, such as the consistently central placement of the horizon bisecting—in analogy to the classic landscape image—the views in two halves. In addition, the elevated point of view and the use of a wide-angle lens intensify the distance to the subject, enabling us to perceive the particular structures of the real. Individual elements of the specific environment are interrelated by means of configuration and cadration. They are not only to be read as representations of real objects but, in the interplay of landscape, surface, and architecture, as structural phenomena transcending the documented state of things.

The eye of the photographer turns reality itself into an aesthetic phenomenon that entails a certain feeling of dislocation. His subtly composed and sometimes slightly melancholic pictures show trivial situations devoid of any narrative, which, by virtue of their obviousness, expose the unusual, if not grotesque nature of human environments. Exploring the dynamics of photographic representation and pictural interpretation of the found, Elmar Haardt’s images seek to discover essential aspects of reality.

Ulrike Westphal


Topografien der Durchfahrt
(2008/09)

Landschaften und Menschen sind die fotografischen Motive, die der Künstler Elmar Haardt (geb. 1974) an den unterschiedlichsten Orten aufnimmt und in seriellen Arbeiten zu subtilen Bestandsaufnahmen menschlichen Daseins verarbeitet. Haardt beschäftigt sich innerhalb seiner Fotografie mit Orten, die durch ihre wenig attraktive, aber außergewöhnliche geografische Lage besonders erscheinen.

Die großformatigen Bilder der Serie Topografien der Durchfahrt (2008/2009) sind ausnahmslos in der Schweizer Gotthard-Region aufgenommen – sowohl auf der Urner wie auf der Tessiner Seite des Bergmassivs. Die gesamte Gegend ist geprägt von einer Atmosphäre der Durchfahrt – hervorgerufen durch die Autobahn und den Gotthard-Straßentunnel, den jährlich mehr als 6 Millionen Fahrzeuge auf ihrem Weg durch die Schweizer Alpen durchfahren.

Die Fotografien thematisieren nicht nur den imposanten, verführerischen Anblick der Alpen, sondern spüren auch dem Gefühl der Enge und Verlorenheit in deren Tälern nach. Landschaft wird hier als Sinnbild menschlichen Befindens interpretiert. Innerhalb der subjektiven Gegenüberstellung von Portraits und Außenaufnahmen von Häusern und Strassen visualisiert Haardt den paradoxen Zustand des Verharrens an einem Ort, an dem jeder vorbeifährt. Die Menschen bleiben in der Enge eines Tals, das permanent von der Weite der Welt zeugt. Sie verharren in einer Region, die sich so schnell verändert hat, dass sie fremd geworden ist. Elmar Haardt arbeitet die Frage nach dieser latenten alltäglichen Zerrissenheit in seine Fotografien ein und schafft damit eine Bildrealität, deren subtile Spannung weit über das rein Dokumentarische hinausweist.

Ulrike Westphal

   

 

Angesichts der Lage
Ulrike Westphal, in Angesichts der Lage
(Austellungskatalog, Kehrer-Verlag 2008)

Die „Konzentration auf das Reale“ und das Verwahren gegen jede Tendenz des Romantischen, Sentimentalen oder anderer Formen der Idealisierung sind nach Emma Dexter jene Charakteristika, die eine Fotografie dem „engbegrenzten Feld des fotografischen Realismus“ zugehörig werden lässt. Diese Art der Fotografie beschäftigt sich mit der Beschreibung der Wirklichkeit, ohne dramatische Geschichten zu erzählen und beim Betrachter bestimmte Reaktionen wie Mitleid bewusst erzeugen zu wollen. Jenseits dieser realistischen Tradition stehen nach Dexter all jene bildnerischen Erzeugnisse, denen eine fingierte Idealisierung innewohnt, wie zum Beispiel fotojournalistischen Bildern, die durch eine „Gefühlsstimmung vorgefärbt sind“. (mehr...)

 

 

   

Oderland. Grenzland.
Ulrike Westphal, in Oderland (Künstlerbuch, 2006)

Die Oder ist ein Grenzfluss, der seine Anwohner seit Jahrhunderten eher voneinander trennt als verbindet. Auf 162 Kilometern markiert der Fluss die heutige Grenze zwischen Polen und Deutschland. Die Region Märkisch Oderland ist ein Randgebiet, ein Grenzland. Hier endet Deutschland, hier beginnt auf der anderen Seite der Oder etwas Neues.
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Schauzone
(2005)

In einer Großstadt scheint alles und jeder in Bewegung, Begegnungen sind flüchtig und unverbindlich. Menschen treffen aufeinander, kommen bewusst zusammen oder verweilen gezwungenermaßen gemeinsam an einem Ort. Die Kehrseite der prinzipiellen Offenheit einer Stadt wie Berlin ist die Anonymität im Sinne zwischenmenschlicher Entfremdung. Doch scheinbar unbeachtet wird sich innerhalb der anonymen Masse angeblickt oder ignoriert, füreinander angezogen und sich gegenseitig gezeigt.
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