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Schauzone.

 

In einer Großstadt scheint alles und jeder in Bewegung, Begegnungen sind flüchtig und unverbindlich. Menschen treffen aufeinander, kommen bewusst zusammen oder verweilen gezwungenermaßen gemeinsam an einem Ort. Die Kehrseite der prinzipiellen Offenheit einer Stadt wie Berlin ist die Anonymität im Sinne zwischenmenschlicher Entfremdung. Doch scheinbar unbeachtet wird sich innerhalb der anonymen Masse angeblickt oder ignoriert, füreinander angezogen und sich gegenseitig gezeigt.

Wir sind in ständiger Kommunikation mit unserem Gegenüber. Dies passiert nicht immer auf dem direkten verbalen Weg, sondern oft auch unbewusst durch die Art und Weise, wie wir uns bewegen, wie wir uns geben, wie wir den anderen begegnen. Wortlos wird miteinander kommuniziert, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Wir sehen und werden gesehen. Der Mensch präsentiert sich auf der Straße der Öffentlichkeit und auch die Häuser zeigen mittels der nach außen gestalteten Fassaden ihr spezifisches Gesicht.

Die Arbeiten von Elmar Haardt sind ausnahmslos auf der Kastanienallee im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg entstanden. Das Viertel ist Magnet für Zugezogene, die besonders durch den Charme des ehemaligen Ost-Viertels angelockt werden. In keinem anderen Stadtteil sind sich Osten und Westen so nah, ist der Umbruch, die stetige Entwicklung eines ganzen Bezirks so offenkundig spürbar. Vieles ist noch provisorisch, anderes erstrahlt bereits in jungem Design. Von vielen als „Castingallee“ verspottet, ist die Kastanienallee Bühne für die unauffällig, aber sorgsam gestylten Prenzel`berger. Hier wird der „modisch-urbane“ Stil der Nullerjahre zur Schau getragen. Es ist die Zelebrierung der „Mattigkeit“, eine Kultivierung der Melancholie der Ex-DDR, die scheinbare Tiefe des Gefühls als Gegenentwurf zur Oberflächlichkeit des Westens.

Man verweilt auf Sitzmöbeln, die kurzerhand auf die Straße gestellt worden sind oder zeigt sich in einem der angesagten Cafés. Die Serie von Elmar Haardt vermittelt einen differenzierten Blick auf verschiedene Situationen entlang der Kastanienallee, einem Ort der Kommunikation, der durch seine besondere Atmosphäre zu einer Schauzone wird.